Innere Medizin

In der Praxis sind viele Erkrankungen der Atemwege auf Umweltfaktoren und Allergien zurückzuführen und sind oft Ursache für chronischen Husten und Leistungsmangel. Die häufigste vorkommende Lungenerkrankung beim erwachsenen Pferd ist die chronisch obstruktive Bronchitis (COB oder RAO). In erster Linie sind organische Staubpartikel in der Einstreu (Heu und Stroh), die Schimmelpilze und ihre Sporen enthalten, dafür verantwortlich. Ihre Inhalation führt bei empfindlichen Pferden zu einer Überempfindlichkeitsreaktion in den tiefen Atemwegen. Es kommt folglich zu einer entzündlichen Schwellung der Schleimhaut, einem Bronchialkrampf und einer übermäßigen Schleimbildung.

Die Diagnose besteht in einer eingehenden klinischen Untersuchung der Atemwege (Abhören und Abklopfen des Lungenfeldes inkl. Atemstimulationstest), der Lungenfunktionsprüfung inkl. Belastungstest und in der Durchführung eines Allergietests. Therapeutisch steht an allererster Stelle die Pferdehaltungsoptimierung, d.h. die konsequente und dauerhafte Staubvermeidung rund ums Pferd (Frischluft, staubfreie Einstreu, Fütterung von nassem Heu). Je nach Schweregrad und Verlaufsform werden unterstützend verschiedene Medikamente (Schleimlöser, Bronchodilatoren, Entzündungshemmer) eingesetzt. Bei chronisch kranken Pferden sind langfristig eine dauerhafte Inhalationstherapie und eventuell auch eine Hyperinfusionstherapie (Lungenspülung) unumgänglich.

Stoffwechselerkrankungen oder –störungen werden bei Pferden relativ häufig beobachtet. Das Problem dieser Erkrankungen ist, dass sie oft erst sehr spät erkannt werden und zuerst nur die Begleiterkrankungen auffallen (Probleme beim Fellwechsel, Übergewicht, Hufrehe).

  • Das Equine Cushing Syndrom (ECS) wird beim Pferd durch eine Hyperplasie der Hypophysenzellen ausgelöst (Adenom der Hirnanhangsdrüse). Typische Symptome sind Probleme beim Fellwechsel, im fortgeschrittenen Stadium das „lockige“ Haarkleid und die chronische Huflederhautentzündung (Hufrehe). ECS ist nicht heilbar, aber ein frühzeitiges Erkennen anhand von Laborparametern und eine effektive Behandlung durch Tablettengabe (Prascend®, Pergolid) können gravierende Folgen verhindern und die Lebensqualität deutlich verbessern.

  • Das Equine Metabolische Syndrom (EMS), eine sog. Wohlstandserkrankung, entsteht durch zu viel hochenergetisches Futter und mangelnde Bewegung. Die betroffenen Pferde, prädestiniert sind Ponys und „leichtfutterige“ Pferde, entwickeln übermäßige Fettpolster am Mähnenkamm und Schweifansatz. Das Fettgewebe bildet Hormone, die über verschiedene Mechanismen zu einer Insulinresistenz führen. Eine gravierende Folgeerkrankung ist auch hier die chronische Hufrehe. Die Behandlung besteht hauptsächlich aus einer strikten Diät und regelmäßiger Bewegung.

  • Relativ häufig sind genetisch bedingte Stoffwechselerkrankungen, die in verschiedenen Pferdezuchten verbreitet sind. Betroffen sind vor allem Westernpferde, QH, Paints, Appaloosas, aber auch Zugpferde, Warmblüter, Ponys und Kreuzungen aller genannten. Eine davon ist die Polysaccharid Speicher Myopathie (PSSM). Die klinischen Symptome sind „kreuzverschlagähnlich“ und umfassen die gesamte Bandbreite von Bewegungsunlust, Muskeltremor, Muskelsteifheit, Schwitzen, wechselnde Lahmheiten, Ausstrecken der Hinterbeine bis hin zur Bewegungsunfähigkeit. Verantwortlich ist die Anhäufung anormaler Polysaccharide wie auch die übermäßige Anhäufung normaler Zucker im Muskel. Die Behandlung erfolgt durch eine gezielte Futterumstellung, prinzipiell werden dabei leicht verfügbare Zucker im Kraftfutter durch ölhaltige Futterbestandteile ausgetauscht.

Die Kolik beim Pferd ist weniger eine Krankheit, sondern ein Überbegriff für sämtliche Anzeichen von Schmerzen und Unbehagen im Bauchbereich. Die Symptome können stark variieren, von unruhigem Scharren und Ausschlagen, Wälzen, Schwitzen, Flehmen, bis hin zum ruhigen Liegen zu ungewohnten Zeiten. Generell verweigern Pferde mit Kolik Futter und Wasser.

Diagnostisch steht eine eingehende klinische organbezogene Untersuchung inkl. Rektaluntersuchung und Anwendung der Nasenschlundsonde im Vordergrund. Die Notfallparameter, wie Hämatokrit und Gesamteiweiß, können sofort im Stall mittels mobiler Zentrifuge und Refraktometer bestimmt werden. Die konservative Kolikbehandlung erfolgt im Stall durch die Gabe von krampflösenden und schmerzstillenden Mitteln, ggf. durch die Eingabe von Paraffinöl über die Nasenschlundsonde. Zur Kreislaufstabilisierung ist es auch möglich das Pferd ambulant zu infundieren. Sobald aber eine chirurgische Behandlung in Erwägung gezogen wird, sollte das Pferd schnellstmöglich an eine kolikoperierende Klinik überwiesen werden.

Neben bakteriellen und pilzbedingten Hauterkrankungen spielen in der Pferdepraxis häufig allergisch bedingte und tumoröse Veränderungen eine Rolle. Weitere Untersuchungen, wie die Entnahme und Untersuchung von einem Hautgeschabsel oder Abklatschpräparat, das Ansetzen einer Pilzkultur oder die Entnahme und Beurteilung einer Hautbiopsie, sind angezeigt damit eine gezielte Therapie eingeleitet werden kann.

In der Praxis wird das gesamte Spektrum der Labordiagnostik angeboten. Für viele Erkrankungen können Organprofile und andere wichtige Laborparameter entscheidende Hinweise für die Diagnosestellung bringen. Der überwiegende Teil der Laboruntersuchungen wird in entsprechenden Speziallabors durchgeführt.

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